May 15th, 2026
Zum Tode von Valie Export
Valie Export ist tot. Und schon dieser Satz klingt zu glatt für das, was sie mit Sprache, Bildern und Körpern eigentlich gemacht hat: glätten ließ sich da wenig.
Ihre Arbeiten haben sich nie in Ruhe betrachten lassen. Sie haben Situationen erzeugt, in denen Betrachter nicht einfach „zusehen“, sondern positioniert werden. Wer schaut, wird mitgemeint. Wer im Kino sitzt, ist nicht neutral. Wer durch eine Ausstellung geht, steht nicht außerhalb des Geschehens. Diese einfache Verschiebung zieht sich durch ihr Werk, von frühen Aktionen bis zu späteren filmischen und installativen Arbeiten.
„Tapp- und Tastkino“ war kein cleverer Einfall, sondern eine einfache Zumutung: Öffentlichkeit wird hier nicht als Bühne verstanden, sondern als Raum, in dem Körper und Blick nicht sauber getrennt sind. „Genitalpanik“ hat diesen Gedanken nicht illustriert, sondern zugespitzt – so weit, dass viele Reaktionen eher Abwehr als Interpretation waren. Das war Teil des Punktes.

Was heute oft vergessen wird: Export hat sich nie auf die Rolle der „Skandalkünstlerin“ reduzieren lassen, obwohl genau diese Schublade früh bereitstand. Ihre Arbeiten sind keine Provokationen um der Provokation willen, sondern Versuche, die Regeln von Sichtbarkeit sichtbar zu machen. Wer darf gesehen werden, unter welchen Bedingungen, und wer bleibt dabei unsichtbar, obwohl er im Bild steht?
Dass ihre Arbeiten heute in Museen hängen, ist keine Entschärfung ihrer Fragen – aber es verändert die Situation. Aus Eingriffen in den Alltag werden Objekte der Betrachtung. Genau diese Verschiebung mitzudenken, gehört inzwischen zum Umgang mit ihrem Werk.
Ihr Tod markiert deshalb weniger einen Abschluss als einen Punkt, an dem sich die Perspektive verschiebt: von der Person zur Frage, die sie hinterlassen hat. Und diese Frage ist nicht abgeschlossen: wie Bilder Körper formen – und wie Körper sich gegen diese Formung wehren.