October 5th, 2026
Die Praxis des Textes – Raubdrucke und politisches Self-Publishing
Politische Bewegungen haben ihre eigenen Medien hervorgebracht. Seit den 1960er-Jahren entstanden in Westdeutschland zahlreiche unabhängige Verlage, Zeitschriften und Raubdruckprojekte, die Texte zugänglich machten, Wissen verbreiteten und neue Formen politischer Öffentlichkeit ermöglichten. Publizieren war dabei durchaus beides: Mittel zur Verbreitung von Inhalten und Teil politischer Praxis.
Auch in Frankfurt entwickelte sich eine vielfältige Publikationskultur. Unter Studierenden zirkulierten Raubdrucke sozialistischer Klassiker und Schriften der Frankfurter Schule. Zeitschriften wie der „diskus“ wurden zu Experimentierfeldern für neue Formen des Schreibens und Publizierens und trugen zur Herausbildung einer studentischen Gegenöffentlichkeit bei.
Das Symposium „Die Praxis des Textes“ nimmt diese Geschichte alternativer Printkulturen zum Ausgangspunkt und verfolgt ihre unterschiedlichen Formen und Kontexte. Im Mittelpunkt stehen Raubdrucke, Reprints, selbstorganisierte Verlage und Zeitschriften ebenso wie die politischen und sozialen Bedingungen ihrer Herstellung und Zirkulation. Der Blick reicht von den studentischen Publikationsprojekten der 1960er- und 1970er-Jahre, über queer-feministischen Selfpublishing-Projekten, bis hin zu Leranings aus dem Raubdruck für heutige Fragen nach Zugang oder Verbreitung.

Programm
11:00–11:15 Uhr
Begrüßung und Einführung
11:15–12:00 Uhr
Michaela Filla-Raquin: Publizieren als Experiment.
Der diskus und die Anfänge einer studentischen Gegenöffentlichkeit
12:10–13:00 Uhr
Annette Gilbert:
„Die verlorene Bibliothek“: Reprints zwischen Gemeinnutz, Profit und Recht
13:00–14:00 Uhr
Mittagspause
14:00–14:45 Uhr
Hannah Stöwe: „Von Amazonen bis Hexen.
Lesbisch-feministisches Selfpublishing in West-Berlin.“
14:50–15:35 Uhr
Jasper Otto Eisenecker: Learning from Raubdruck:
Über Zugang, Zirkulation und Gegenöffentlichkeit im Jetzt
15:45–16:30 Uhr
Benedict Sepp: „Gegenwissen selbermachen.
Raubdrucke als genuine Theorieform der antiautoritären Bewegung.“
16:40–17:25 Uhr
Jonas von Lenthe: „Distributing Wirklichkeit:
Zur Vertriebsgeschichte des Verlags Wirklichkeit Books“
Die Praxis des Textes –
Raubdrucke und politisches Self-Publishing von den 1960er Jahren bis heute
9 Oktober 2026, 11–18 Uhr
Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main
Das Symposium ist Teil des Programms der World Design Capital 2026 Frankfurt RheinMain.
Der Eintritt ist frei.
Organisation: Finn Gölitzer, Adrian Baczyk, Emma Bieck, Nina Sieverding und Adrian Nießler (HfG Offenbach).