June 1st, 2026

Vom Zerfall zum Keimen

Unter dem Titel „VOM ZERFALL ZUM KEIMEN“ untersucht Alisa Kronberger das Kompostieren als materielle wie auch ästhetische Praxis des Mit- und Anders-Werdens. Ausgangspunkt ist dabei die Annahme, dass Zersetzung nicht als bloßer Endpunkt von Materie verstanden werden kann, sondern als produktiver, weltbildender Prozess, der neue Relationen zwischen Organischem, Technischem und Sozialem hervorbringt.

Der Vortrag bewegt sich an der Schnittstelle von ökofeministischen, neu-materialistischen sowie post- und dekolonialen Medientheorien und verbindet diese theoretischen Perspektiven mit künstlerischen Praktiken, die sich dem Kompost als Denkfigur und Erfahrungsraum annähern. Dabei wird Kompost als eine Form des „Mit-Werdens“ verstanden, die technokratische und extraktivistische Ressourcenlogiken unterläuft und stattdessen Prozesse des Verflechtens, der Transformation und des gegenseitigen Hervorbringens in den Mittelpunkt rückt.

Anhand ausgewählter künstlerischer Positionen zeigt Kronberger, wie Kompostierung nicht nur als ökologische Praxis, sondern auch als ästhetische und epistemische Methode lesbar wird. Besonders im Fokus stehen dabei Formen tiefensensorischer Wahrnehmung: das Erleben von Materialität, Zerfall und Transformation als körperlich-ästhetische Erfahrung, die neue Formen des Denkens und Fühlens ermöglicht.

In dieser Perspektive wird Kompost zu einem Medium, durch das sich eine bio-egalitäre Ethik der Sorge abzeichnet – eine Ethik, die menschliches Leben und Sterben nicht isoliert betrachtet, sondern als unauflöslich in mehr-als-menschliche Kreisläufe der Erde eingebettet versteht. So wird das Verhältnis von Mensch, Umwelt und Materialität nicht als Trennung, sondern als kontinuierliche Verflechtung erfahrbar gemacht.

Der Gastvortrag findet am 01.06.2026 umd 14:00 Uhr im Rahmen des Seminars „Sympoietic Design – Koexistenz entwerfen“ (Prof. Dr. Tom Bieling & Susanne Wieland) an der HfG Offenbach statt.

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